

Die ketogene Ernährung erlebt einen Boom. Einst als Therapie gegen Epilepsie bei Kindern entwickelt, hat sie sich inzwischen zu einer weltweit populären Diät gemausert. Befürworter versprechen nicht nur schnelle Gewichtsabnahme, sondern auch Verbesserungen bei Diabetes, neurologischen Erkrankungen und sogar Krebs. Doch wie gesund ist die Keto-Diät wirklich? Wir haben die wissenschaftlichen Fakten und Risiken untersucht.
Die Basis der ketogenen Ernährung: Frische, nährstoffreiche Lebensmittel wie Lachs, Hähnchen und Beeren bieten eine optimale Grundlage für eine fettreiche, kohlenhydratarme Diät. Foto: Shutterstock
1921 führte der amerikanische Arzt Russell Wilder die ketogene Diät erstmals als Therapie für Kinder mit Epilepsie ein. Er entdeckte, dass der Verzicht auf Zucker und Kohlenhydrate in Kombination mit einer fettreichen Ernährung die Effekte des Fastens nachahmen kann. Diese sogenannte ketogene Ernährung oder Keto-Diät hat in den letzten Jahren sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wissenschaft stark an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile wird untersucht, ob sie nicht nur bei Epilepsie, sondern auch bei anderen Erkrankungen wie Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar Alzheimer wirksam sein könnte.1
Aufgrund der ihr zugeschriebenen gesundheitlichen Effekte hat sich die Keto-Diät heute zu einer populären Ernährungsform entwickelt, die weit über ihren ursprünglichen medizinischen Kontext hinausgeht.
Die zunehmende Verbreitung der Keto-Diät hängt eng mit der wachsenden Zahl von Menschen zusammen, die vom sogenannten metabolischen Syndrom betroffen sind. Dieses Syndrom, auch als „Wohlstandssyndrom“ bekannt, umfasst eine Kombination aus starkem Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhtem Blutzucker und Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Werte von Triglyceriden und „schlechtem“ LDL-Cholesterin). Diese Faktoren erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erheblich und werden häufig mit einer übermäßigen Kohlenhydratzufuhr – insbesondere von Zucker – in Verbindung gebracht.
Daher erscheint vielen die Keto-Diät als vielversprechender Ansatz, da sie durch die drastische Reduktion von Kohlenhydraten direkt an der Ursache dieser Probleme anzusetzen scheint. Doch die Anwendung der Keto-Diät reicht noch weiter: Sie wird nicht nur bei metabolischen Erkrankungen und zur Gewichtsreduktion erforscht, sondern auch als mögliche Therapie bei neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, da sie den Gehirnstoffwechsel beeinflussen kann. Auch in der Onkologie wird diskutiert, ob ein ketogener Stoffwechsel das Wachstum von Tumorzellen hemmen könnte.
Der vorliegende Artikel liefert wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Informationen zur ketogenen Ernährung. Insbesondere beleuchten wir die aktuelle Evidenz zu ihren Vorteilen und Risiken. Dabei stützen wir uns auf verschiedene Übersichtsarbeiten zur Keto-Diät und ihrer Anwendung bei bestimmten Erkrankungen und gesundheitlichen Zielsetzungen.1,2,3,4
Die ketogene Ernährung, kurz Keto-Diät, ist eine spezielle Ernährungsform, bei der der Konsum von Kohlenhydraten (z. B. Zucker, Stärke, Mehl) stark reduziert wird. Stattdessen stammt der Großteil der Kalorien aus Fetten, ergänzt durch eine moderate Menge an Eiweiß. Ziel dieser Diät ist es, den Stoffwechsel des Körpers von der Glukoseverwertung auf die Fettverbrennung umzustellen und ihn in den Zustand der sogenannten Ketose zu versetzen.
Normalerweise nutzt der Körper Glukose (Traubenzucker), die aus Kohlenhydraten gewonnen wird, als Hauptenergiequelle. Wenn jedoch kaum Kohlenhydrate zugeführt werden, beginnt die Leber, aus Fett sogenannte Ketonkörper zu produzieren. Diese dienen dem Körper – insbesondere dem Gehirn – als alternative Energiequelle. Dieser Prozess tritt auch bei anhaltendem Hungern auf, wenn körpereigenes Fett zur Energiegewinnung genutzt wird. Die ketogene (also Ketonkörper bildende) Ernährung ahmt diesen Fasteneffekt nach, indem sie den Körper gezielt in den Zustand der Ketose versetzt.
Es gibt verschiedene Varianten der Keto-Diät, die sich je nach Zielgruppe und Anwendungsgebiet unterscheiden. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Typen:1,2,3
Die ketogene Diät unterscheidet sich deutlich von anderen bekannten Ernährungsformen, die ebenfalls eine Reduktion der Kohlenhydratzufuhr vorsehen. Hier ein Überblick:
Die ketogene Diät basiert auf einer spezifischen Zusammensetzung der Makronährstoffe: etwa 70–75 % der Kalorien stammen aus Fetten, 20–25 % aus Proteinen und lediglich 5–10 % aus Kohlenhydraten. Im Gegensatz dazu enthalten die durchschnittliche westliche Ernährung sowie die Empfehlungen für gesunde Ernährung deutlich höhere Anteile an Kohlenhydraten (61 % bzw. 50 %) und weniger Fette. Nachfolgend eine Übersicht der empfohlenen und verbotenen Lebensmittel gemäß der Keto-Diät.6
Bei der Lebensmittelauswahl sollte auf versteckte Kohlenhydrate in verarbeiteten Produkten geachtet werden. Zudem ist es wichtig, ausreichend Elektrolyte wie Natrium und Kalium zu sich zu nehmen, um Nebenwirkungen wie die sogenannte „Keto-Grippe“ zu vermeiden.
Die Wahl der Lebensmittel und die Variante der ketogenen Diät (siehe oben) hängen von individuellen Faktoren wie körperlicher Aktivität, Gesundheitszustand, persönlichen Zielen und Vorlieben ab. Aus diesem Grund erfordert die Umsetzung einer ketogenen Ernährung eine individuelle Anpassung und sollte idealerweise unter ärztlicher oder ernährungswissenschaftlicher Betreuung erfolgen, um die Sicherheit zu gewährleisten.7
Die ketogene Ernährung zielt darauf ab, durch die Umstellung des Energiestoffwechsels von Glukose auf Ketonkörper positive Effekte auf verschiedene Gesundheitsparameter zu erzielen. Im Folgenden fassen wir die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den wichtigsten gesundheitlichen Vorteilen der Keto-Diät zusammen.1,2,3,4
Die Gewichtsabnahme ist einer der häufigsten Gründe, warum Menschen eine ketogene Diät beginnen. Die gewichtsreduzierende Wirkung der Keto-Diät beruht auf mehreren physiologischen Mechanismen, die gemeinsam den Energieverbrauch erhöhen und die Fettverbrennung fördern.
In der Ketose greift der Körper vermehrt auf Fettspeicher zurück und bildet Ketonkörper wie β-Hydroxybutyrat, die zudem appetitzügelnd wirken. Gleichzeitig führt die Einschränkung von Kohlenhydraten zu einer Reduktion des Insulinspiegels, was die Fettverbrennung (Lipolyse) zusätzlich verstärkt. Fett und Eiweiß sorgen außerdem für ein längeres Sättigungsgefühl als Kohlenhydrate, was die Nahrungsaufnahme verringern kann. Darüber hinaus erhöht die Ketose den Energieverbrauch, da der Körper mehr Energie für die Gluconeogenese benötigt – einen Prozess, bei dem Glukose aus Nicht-Kohlenhydratquellen gebildet wird.
Die wissenschaftliche Datenlage bestätigt die Effektivität der Keto-Diät zur Gewichtsabnahme.4 Eine Meta-Analyse von 11 Studien zeigte, dass die ketogene Ernährung im Vergleich zu fettarmen Diäten zu einer signifikant größeren Gewichtsabnahme führte. Eine weitere Meta-Analyse randomisierter Studien belegte, dass die Keto-Diät bei fettleibigen Personen, insbesondere bei solchen mit bestehendem Diabetes, positive Effekte auf die Blutzuckerkontrolle, das Gewicht und die Lipidwerte hatte.
Kurzfristig ist die Keto-Diät also eine effektive Methode zur Gewichtsabnahme, doch langfristig gestaltet sich die Gewichtsstabilisierung schwierig. Die strikte Einhaltung der Diät erfordert Disziplin und ist für viele Menschen eine Herausforderung, weshalb der langfristige Erfolg oft begrenzt bleibt.7
Die Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist eine der Hauptanwendungen der Keto-Diät bei Typ-2-Diabetes (für Typ-1-Diabetes ist die Keto-Diät ungeeignet). Da Kohlenhydrate die Hauptursache für Blutzuckerspitzen sind, kann eine drastische Einschränkung der Kohlenhydratzufuhr den Blutzuckerspiegel senken und die Insulinsensitivität verbessern. Aus diesem Grund wird erwartet, dass die Keto-Diät bei Typ-2-Diabetes zu einer spürbaren Verbesserung der Blutzuckerkontrolle beiträgt.
Verschiedene Studien unterstützen diese Annahme.3 Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023 kommt jedoch zu einem differenzierten Ergebnis. Die ketogene Ernährung verbessert zwar die Blutfettwerte (Lipidprofil), bietet aber bei Typ-2-Diabetes über zwei Jahre keine signifikanten Vorteile gegenüber anderen Diäten. Dies gilt sowohl für die Blutzuckerkontrolle als auch für die Gewichtsabnahme.8
Die Auswirkungen der ketogenen Diät auf den Fettstoffwechsel und die Herz-Kreislauf-Gesundheit werden häufig diskutiert und sind teilweise umstritten.
Die Keto-Diät kann die Triglyceride (Fette) im Blut senken, deren erhöhter Wert ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Gleichzeitig erhöht sie das „gute“ HDL-Cholesterin, was mit einem geringeren Risiko für diese Erkrankungen verbunden ist. Allerdings kann die ketogene Diät auch das „schlechte“ LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein) erhöhen. Befürworter argumentieren jedoch, dass dabei die Partikelgröße des LDL zunimmt, was mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht wird.3
Einige Studien stützen die positiven Effekte der Keto-Diät auf den Fettstoffwechsel und die Herzgesundheit.2,3 Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis. Zwar zeigt die Keto-Diät Potenzial, kurzfristig Triglyceride, Blutzucker und Blutdruck zu senken, erfüllt aber langfristig nicht die Kriterien einer gesunden Ernährung. In Langzeitbeobachtungen erwies sich ihre Wirksamkeit bei der Gewichtsabnahme und den genannten Stoffwechselveränderungen als nicht signifikant. Im Vergleich dazu gilt eine Ernährung mit moderat reduzierten Kohlenhydraten als gesünder, insbesondere im Hinblick auf das Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Mortalität).9
Die ketogene Diät könnte positive Effekte auf die Gesundheit von Alzheimer-Patienten und Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI, mild cognitive impairment) haben. Experten vermuten, dass Ketonkörper, die bei dieser Ernährungsform vermehrt produziert werden, geschädigte Nervenzellen entlasten könnten. Anders als bei der Energiegewinnung aus Glukose entstehen bei der Verbrennung von Ketonkörpern weniger Abfallstoffe. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Ketonkörper entzündliche Prozesse im Gehirn reduzieren und die Gehirnzellen schützen könnten.
Die bisherigen Studienergebnisse sind vielversprechend, aber noch begrenzt. Kleinere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Ketonkörper Alzheimer-Symptome und die Gedächtnisleistung positiv beeinflussen könnten.3 Tierexperimente zeigen, dass die für Alzheimer typischen Proteinablagerungen im Gehirn durch eine ketogene Ernährung verringert werden können. Eine Studie aus dem Jahr 2012 ergab zudem, dass Menschen mit beginnender Demenz von einer Verbesserung ihrer Gedächtnisleistung profitierten. Auch andere Untersuchungen stützen diese Annahmen indirekt, da sie zeigen, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung die kognitive Leistungsfähigkeit und das Verhalten von Alzheimer-Patienten verschlechtern kann.
Trotz dieser Hinweise bleibt die Datenlage begrenzt. Für eine abschließende Bewertung fehlen bisher groß angelegte und qualitativ hochwertige klinische Studien (RCTs), die die Wirksamkeit der ketogenen Ernährung bei neurologischen Erkrankungen eindeutig belegen.10
Die ketogene Diät wird auch als ergänzende Therapie in der komplementären Onkologie diskutiert. Besonders in Kombination mit Bestrahlung oder Chemotherapie könnte sie von Vorteil sein. Krebszellen nutzen bevorzugt Glukose als Energiequelle, während Ketonkörper für sie nur schwer verwertbar sind. Diese Besonderheit gibt Anlass zu der Hypothese, dass eine ketogene Ernährung das Tumorwachstum verlangsamen könnte. Auch andere potenzielle Mechanismen werden in der Forschung diskutiert.3,4
Die wissenschaftliche Evidenz ist jedoch begrenzt. Eine systematische Übersichtsarbeit von Römer et al. (2021), die die Wirkung ketogener Diäten bei Patienten mit unterschiedlichen Krebsarten untersucht hat, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Laut der Übersichtsarbeit gibt es keine schlüssigen Beweise dafür, dass die Keto-Diät das Tumorwachstum hemmt oder das Überleben von Krebspatienten verbessert. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ergebnisse der Studien aufgrund methodischer Einschränkungen und heterogener Daten bislang keine klaren Schlüsse zulassen.11
Kurzfristige Erfolge, langfristige Fragen – die Keto-Diät bleibt ein Feld der Forschung.
Die gesundheitlichen Vorteile der Keto-Diät gehen mit einer Reihe von Nachteilen und Risiken einher, insbesondere wenn die Diät unkontrolliert durchgeführt wird. Während die kurzfristigen Auswirkungen einer ketogenen Ernährung (bis zu zwei Jahre) gut dokumentiert sind, bleiben die langfristigen Folgen für die Gesundheit aufgrund begrenzter Forschungslage weitgehend unklar.4,12
Die Umstellung des Stoffwechsels von Glukose- auf Fettverbrennung kann insbesondere in den ersten Wochen zu vorübergehenden Nebenwirkungen führen. Die Häufigkeit dieser Beschwerden variiert und sie treten meist in den ersten ein bis zwei Wochen der Diät auf. Solche Reaktionen gelten als normale Anpassung des Körpers an die Stoffwechselumstellung.
Häufige vorübergehende Nebenwirkungen:
Mögliche Langzeitnebenwirkungen:
Eine engmaschige ärztliche Überwachung und die gezielte Supplementierung fehlender Vitamine und Spurenelemente können helfen, die genannten Langzeitnebenwirkungen zu vermeiden.
Die Auswirkungen der Keto-Diät auf die Herz- und Darmgesundheit sind umstritten und nicht abschließend erforscht. Im Bereich der Herzgesundheit zeigt die ketogene Ernährung einerseits positive Effekte, wie eine Senkung der Triglyceridspiegel und eine Erhöhung des HDL-Spiegels („gutes Cholesterin“). Andererseits deuten einige Studien auf einen Anstieg des LDL-Cholesterins hin, der mit einem höheren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen verbunden sein könnte. Dabei scheinen jedoch vor allem größere LDL-Partikel zuzunehmen, die als weniger schädlich für die Gefäße gelten als kleine, dichte LDL-Partikel. Langfristige Studien zur Wirkung der Keto-Diät auf die Herzgesundheit sind bisher rar. Einige Untersuchungen legen sogar nahe, dass extrem kohlenhydratarme Diäten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (kardiovaskuläre Mortalität) erhöhen könnten.12
Auch die Auswirkungen auf das Darmmikrobiom werfen Fragen auf. Die geringe Ballaststoffzufuhr bei der Keto-Diät kann die Vielfalt der Darmbakterien reduzieren, was Tierstudien mit einer erhöhten Entzündungsneigung in Verbindung bringen. Eine verringerte Mikrobiomvielfalt wird zudem mit entzündlichen Darmerkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom und dem metabolischen Syndrom assoziiert.
Aufgrund der widersprüchlichen Studienlage ist eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung erforderlich, bevor die Diät langfristig angewendet wird.
Die strikte Einhaltung der Keto-Diät stellt eine Herausforderung dar, da sie eine hohe Disziplin, langfristige Planung und eine umfassende Ernährungsumstellung erfordert. Beliebte Lebensmittel wie Brot, Pasta, Reis, Obst und viele Gemüsesorten sind nicht erlaubt. Stattdessen müssen kalorienreiche Lebensmittel mit hohem Fettgehalt, wie Butter, Öl, Käse und andere fettreiche Produkte, konsumiert werden. Viele Menschen empfinden diese Umstellung als unangenehm oder lehnen sie ab. Zudem sind hochwertige fettreiche Lebensmittel wie Avocados und Nüsse oft teurer als herkömmliche kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Brot oder Nudeln.
Die ketogene Diät ist nicht für alle Menschen geeignet, und bestimmte Personengruppen sollten sie meiden. Dazu gehören:
Zusätzlich sollten Menschen mit Herzerkrankungen die Keto-Diät nur unter strenger ärztlicher Überwachung anwenden, da die Auswirkungen auf die Herzgesundheit noch nicht vollständig erforscht sind. Auch Menschen mit Essstörungen könnten durch die strikte Kontrolle von Lebensmitteln negativ beeinflusst werden, was ihren Zustand verschlechtern kann.
Die ökologische Nachhaltigkeit der ketogenen Ernährung ist umstritten. Die Keto-Diät basiert traditionell auf einem hohen Anteil tierischer Produkte wie Fleisch und Milchprodukten, deren Produktion mit erheblichen Treibhausgasemissionen und hohem Ressourcenverbrauch verbunden ist. Dies führt zu einer erhöhten Umweltbelastung und widerspricht den Prinzipien einer nachhaltigen Ernährung.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf Kokosöl, einer häufig empfohlenen Fettquelle in der Keto-Diät. Die steigende Nachfrage nach Kokosprodukten hat in den Anbauländern oft ökologische und soziale Folgen wie Monokulturen, Verlust der Biodiversität und problematische Arbeitsbedingungen.
Um die Keto-Diät nachhaltiger zu gestalten, können einheimische pflanzliche Fettquellen genutzt werden. Die sogenannte „Öko-Keto“-Ernährung setzt auf eine umweltfreundliche Lebensmittelwahl innerhalb der ketogenen Prinzipien. Eine weitere Alternative ist die vegane ketogene Diät, die tierische Produkte vollständig durch pflanzliche ersetzt.14,15
Die ketogene Diät hat sich von ihrer ursprünglichen Anwendung als Epilepsietherapie zu einer weit diskutierten Ernährungsform entwickelt, die sowohl in medizinischen als auch nichtmedizinischen Kontexten Anwendung findet. Ihr Markenzeichen ist eine drastische Reduktion von Kohlenhydraten bei gleichzeitig hohem Fettanteil, wodurch der Körper in den Zustand der Ketose versetzt wird. Diese Stoffwechselveränderung wird mit potenziellen Vorteilen für die Gewichtsabnahme, die Blutzuckerkontrolle und bestimmte neurologische Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Es gibt wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Keto-Diät bei therapierefraktärer Epilepsie bei Kindern und für kurzfristige Erfolge bei der Gewichtsabnahme. Zudem werden Verbesserungen der Insulinsensitivität und eine Senkung bestimmter kardiovaskulärer Risikofaktoren wie Triglyceride beschrieben. Dennoch bleiben viele der postulierten Vorteile, etwa bei Alzheimer oder in der Onkologie, aufgrund begrenzter und uneinheitlicher Studienlage umstritten.
Die ketogene Ernährung bringt jedoch auch Herausforderungen und Risiken mit sich. Neben kurzfristigen Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Verdauungsproblemen könnten langfristige Effekte wie kardiovaskuläre Risiken oder eine Beeinträchtigung des Darmmikrobioms problematisch sein. Zudem erfordert die strikte Einhaltung der Diät Disziplin, Planung und fundierte Beratung.
Zusammenfassend ist die ketogene Diät eine innovative, aber anspruchsvolle Ernährungsstrategie mit spezifischen medizinischen Einsatzbereichen. Eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung und professionelle Begleitung sind entscheidend, um die potenziellen Vorteile sicher und effektiv zu nutzen.
Gut zu wissen
Die Ketose ist ein außergewöhnlicher Stoffwechselzustand, bei dem der Körper Fett anstelle von Kohlenhydraten als primäre Energiequelle nutzt. Dieser Zustand tritt ein, wenn die Zufuhr von Kohlenhydraten drastisch eingeschränkt wird und die Glukosespeicher (Glykogen) im Körper aufgebraucht sind. Nach etwa zwei bis vier Tagen ohne Kohlenhydrate stellt der Stoffwechsel auf die Nutzung von Fett um, wodurch der Körper in die sogenannte Ketose gelangt.
Der Prozess der Ketose ist komplex, aber faszinierend:
Für das Gehirn, das normalerweise auf Glukose angewiesen ist, sind Ketonkörper die einzige Energiequelle, wenn Kohlenhydrate fehlen. Diese evolutionäre Anpassung sichert die Energieversorgung in Zeiten von Nahrungsknappheit oder Fasten. Heute wird die Ketose gezielt durch die ketogene Ernährung ausgelöst, um ähnliche Effekte zu erzielen – von Gewichtsverlust bis hin zu möglichen gesundheitlichen Vorteilen.
Die physiologische Ketose ist ein normaler und regulierter Stoffwechselzustand, der während einer ketogenen Diät auftritt. In diesem Zustand liegen die Keton-Konzentrationen im Blut moderat zwischen 0,5 und 3 mmol/l, während der pH-Wert des Blutes im Normalbereich bleibt.
Im Gegensatz dazu ist die pathologische Ketoazidose ein gefährlicher Zustand, der beispielsweise bei unkontrolliertem Diabetes oder starkem Alkoholmissbrauch auftreten kann. Hier steigen die Ketonwerte im Blut auf extrem hohe Werte von bis zu 25 mmol/l an, was zu einer lebensbedrohlichen Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose) führt. Dieser Zustand erfordert eine sofortige medizinische Behandlung. Bei normaler Ernährung liegen die Ketonwerte im Blut unter 0,5 mmol/l.1
Quellen: